Was ist Gruppenanalyse ?

Die Gruppenanalyse (auch analytische Gruppentherapie oder Gruppenpsychoanalyse genannt) ist eine Anwendung der Psychoanalyse mit dem Ziel der Selbsterkenntnis in einem sozialen Kontext: unbewusste seelische Prozesse im Rahmen einer therapeutischen Gruppe sollen dabei der bewussten Verarbeitung zugänglich gemacht werden.

Die analytische Gruppe zählt in der Regel 8-12 Mitglieder. Der Gruppenanalytiker deutet den Gruppenprozess als ein Übertragungsgeschehen, d.h. als eine szenische Gestaltung von früheren wesentlichen Bindungen und Konfliktsituationen aus der Lebensgeschichte der Teilnehmer. Um die Übertragung erleben und handhaben zu können, werden die Mitglieder gebeten, möglichst keine Beziehungen untereinander außerhalb der Gruppe zu unterhalten. Durch die Einschränkung der realen Beziehungen und die Zurückführung von gegenwärtigen auf frühere Konflikte können die unbewussten Probleme aus den Lebensgeschichten der Gruppenmitglieder bearbeitet werden. Die Gruppenmitglieder werden vom Leiter ermutigt, sich möglichst freimütig zu äußern. Der Gruppenleiter bemüht sich seinerseits, auf die Äußerungen der Gruppenmitglieder ohne Werturteile und Affekte zu reagieren, um möglichst wenig als reale Person, sondern als Übertragungsfigur, wahrgenommen zu werden. Die möglichst neutrale und nicht wertende Haltung des Gruppenanalytikers bildet zusammen mit der Enthaltsamkeit der Gruppenmitglieder von intimen persönlichen Beziehungen untereinander außerhalb der Sitzungen die Abstinenz in der Gruppe und dient zur Erleichterung der Arbeit in der Gruppe. Die analytische Grundregel verlangt von den Gruppenmitgliedern die möglichst unkontrollierte Mitteilung ihrer spontanen Einfälle und fördert die Regression, d.h. die Äußerung von kindlichen Fantasien, deren gemeinsame Reflexion in der Gruppe zur Gewinnung von Einsichten über die eigene Person führt.

Die Arbeit an der Übertragung – d.h. am Wiedererleben von konflikthaften Problemen aus der Kindheit im Rahmen der Gruppe und die Arbeit am Widerstand – an der Überwindung von Hemmungen zur Mitteilung von angst-, schuld- und schambesetzten Fantasien und Erinnerung gehören zu den wichtigsten analytischen Aufgaben der Gruppe. Das Bewusst machen der verborgenen Phantasien ist, weil unlustvoll, ein langwieriges und mühevolles Unterfangen. Eine andere Form des Widerstands ist das Agieren in der Gruppe oder außerhalb, d.h. das Handeln als symbolischer Ausdruck von unbewussten Phantasien, z.B. eine unkontrollierte Aggression in der Gruppe. Das Agieren soll nicht einfach verboten, sondern in seiner unbewussten Bedeutung verstanden und dadurch integriert werden.

Die Übertragungsbeziehungen in der Gruppe sind durch einen hohen Grad an Ambivalenz gekennzeichnet, d.h. sie drücken starke widersprüchliche kindliche Affekte aus. Die Gruppenarbeit zielt auf die Integration dieser heftigen Widersprüche und die Förderung von Einsicht.

Das Wiederbeleben der frühkindlichen Ängste und des ödipalen Dramas mit seinen heftigen Affekten betrifft die Beziehungen der Gruppenmitglieder zueinander und zum Analytiker („Vatermord“). Das Ziel der analytischen Arbeit ist das Durcharbeiten und Auflösen der Übertragungsneurose, d.h. der Wiederholung und Überwindung der krankmachenden Störungen aus der Kindheit im Rahmen der Gruppe. Das Abschiednehmen von kindlichen Erwartungen und Illusionen ist ein schmerzlicher Prozess, der notwendig ist, um Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Dies bedeutet auch, Einsicht zu gewinnen in die Begrenztheit des eigenen Leben und der eigenen Möglichkeiten („Trauerarbeit“).