Großgruppe und Kleingruppe als Orte der Öffentlichkeit und der Intimität

Josef Shaked, Wien


(Vortrag bei der Jahrestagung der Sektion Analytische Gruppenpsychotherapie im DAGG vom 3. bis 5. Mai 1996 in Heidelberg) Die psychoanalytische Situation ist eine intime und öffentliche zugleich. Der Patient wird angehalten, dem Analytiker seine innersten Gedanken und Gefühle dem Analytiker mitzuteilen. In der Phantasie des Patienten verkörpert der Analytiker jedoch nicht nur den verständnisvollen Zuhörer, sondern auch das Über-Ich, und demnach die Öffentlichkeit mit ihren Normen und Werten. Insofern hat die analytische Situation eine Ähnlichkeit mit der Beichte. Der Unterschied besteht in der Haltung des Analytikers. Indem er sich Werturteilen enthält, ermöglicht er die Aneignung einer größeren Toleranz seitens des Patienten den eigenen Konflikten und Schwächen gegenüber. Diese spezielle Mischung von Öffentlichkeit und Intimität hebt die konventionelle Trennung der beiden Bereiche auf. Hannah Arendt führt in ihren Ausführungen über den Raum des Öffentlichen und den Bereich des Privaten (S. 40) die Entdeckung der Intimität auf Rousseau und die Romantik zurück, die gegen die nivellierenden Tendenzen der Gesellschaft rebellierten. In dieser Hinsicht kann man Freud in diese Rebellion gegen den Konformismus einreihen.

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