Mentalization based treatment (MBT) in der Gruppe – neues Paradigma oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Peter Potthoff und Ute Moini-Afchari


Zusammenfassung
Mehrere empirische Studien zeigen eine gute Wirksamkeit des von Fonagy, Bateman und Target entwickelten Konzepts des „Mentalization based treatment“ (MBT) in der Behandlung von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, wobei Einzel- und Gruppentherapie verbunden werden. In der Rezeption dieser Ergebnisse zeigen sich zwei entgegengesetzte Positionen. Während die eine vertritt, dass MBT bisherige gruppenanalytische Behandlungsansätze im Sinne eines neuen Paradigmas verändert bzw. zu ersetzen vermag, zeigt die andere eine gewisse Skepsis hinsichtlich des wirklich Neuen in der MBT. Die Autoren haben das Anliegen, beide Positionen zu reflektieren und zu belegen, dass charakteristische MBT-Interventionen Bestandteil einer erweiterten gruppenanalytischen Praxeologie auch außerhalb des Borderline-Spektrums werden können. Sie beschreiben ihre Erfahrungen anhand ausgewählter Beispiele aus der gemeinsamen Leitung üblicher ambulanter Gruppen und zeigen dabei, wie sich MBT-Interventionen in das Repertoire gebräuchlicher gruppenanalytischer Interventionen einfügen lassen und damit die Möglichkeiten der analytischen Gruppentherapie wesentlich verbreitern. Unterschiedliche Interventionstechniken in Abhängigkeit vom jeweiligen Mentalisierungsniveau, z. B. beim Fehlen oder vorübergehendem Verlust der Mentalisierungsfähigkeit, ermöglichen im Sinne einer „mentalization-informed group-analysis“ aus der Sackgasse herauszukommen. Es geht also nicht um die Alternative MBT oder Gruppenanalyse, sondern um MBT als integraler Bestandteil von Gruppenanalyse.

Gruppenpsychother. Gruppendynamik 48/2012, 198-214

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