Die psychoanalytische Großgruppe -
Freudianische und Kleinianische Ansätze

Josef Shaked, Wien

(Vortrag an der Jahrestagung der Sektion Analytische Gruppentherapie im DAGG am 12. Mai 1991 in Köln)


Einleitung
Die Großgruppe bildet eine radikale Gegenposition zur Intimität der von Freud initiierten dyadischen Situation. Schon die Kleingruppe bedeutete eine erhebliche Modifikation der analytischen Situation. Die Großgruppe, mit ihrer Anonymität und Unüberschaubarkeit bietet weit größere Schwierigkeiten für die Herstellung von Offenheit und Vertraulichkeit, die eine notwendige Voraussetzung einer jeden analytischen Situation sind. Manche Gruppenanalytiker bezweifeln sogar die Möglichkeit und Nützlichkeit einer analytischen Erfahrung in großen Gruppen. Die Geschichte der Psychoanalyse hat jedoch gezeigt, dass das klassische Setting ständig durch neue Fragestellungen und therapeutische Herausforderungen erweitert worden ist. Das neue an der analytischen Großgruppe ist die Unmöglichkeit, gleichzeitig einen persönlichen Kontakt mit allen Mitgliedern der Gruppe herzustellen. Diese spezifische Erfahrung induziert Ängste, die weitaus größer sind als die in der Kleingruppe. Dementsprechend ist die in der Großgruppe hervorgerufene Regression tiefer reichend als in der Kleingruppe. Wenn also die Kleingruppe die Kindheitsneurose reproduziert, wiederholt die Großgruppe die psychotisch anmutenden Ängste der frühen Kindheit, denen der Säugling und das Kleinkind relativ schutzlos ausgeliefert sind.

Vollständigen Text runterladen, bitte hier klicken.