Psychoanalyse und Gruppentherapie
Michael Hayne, Bonn


Die Frage, in welchem Setting analytische Psychotherapie effektiver sei, d.h. als Einzel- oder als Gruppenbehandlung, ist oft gestellt worden und hat doch wohl nur in Sackgassen geführt. Zwar wurde z.B. immer wieder versucht, die Indikation zu einem der beiden Settings von Diagnosen abhängig zu machen. Dieser Versuch kann aber als gescheitert angesehen werden. Es gibt praktisch keine Störung, von der nicht schon einmal gesagt worden wäre, sie müsse der analytischen Einzelbehandlung vorbehalten bleiben, und ebenso es gibt so gut wie keine Störung, vor deren Behandlung im Rahmen der Gruppentherapie nicht schon in einschlägiger Publikation gewarnt worden wäre (Bardé, 1994, S. 28 ff). Schließlich haben Sadock und Kaplan (1972) ihre Durchsicht der einschlägigen Literatur so zusammengefasst, dass es praktisch kein Problem im Bereich seelischer Störungen gibt, das nicht schon im Rahmen analytischer Gruppentherapie behandelt worden sei und auch als behandelbar gelten müsse. Es stellt sich damit aber die Frage, anhand welcher Kriterien Erfolg oder Scheitern von gruppen- oder einzeltherapeutischer Behandlung (ich beschäftige mich hier ausschließlich mit psychoanalytisch begründeten Verfahren) vorhergesagt werden kann.

Schon Scheunert (1960) war bei der Frage nach Gelingen oder Scheitern von analytischen Behandlungen (er meinte in diesem Zusammenhang einzelanalytische Behandlungen) zu der Forderung gekommen, dass auf Analytikerseite die durch die Patienten angeregten eigenen neurotischen Anteile einer fortgesetzten Analyse unterzogen werden müssten. Ähnlich sah Heising (1971) in Auseinandersetzung mit Erfolg bzw. Misserfolg von analytischer Gruppentherapie einen Zusammenhang zwischen der persönlichen Konflikt- und Charakterstruktur der Gruppenanalytiker und ihren Behandlungsmöglichkeiten von Gruppenpatienten.

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