Psychosomatik - zwischen Verachtung und Faszination
Michael Hayne, Bonn


(Dieser Artikel erschien in “Psychologie in Österreich” im Heft 6 / 2005. Er leitet psychosomatische Störungen aus gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen ab und stellt dabei besonders auch die große Bedeutung von Gruppenbindungen bei der Entstehung oder Verhinderung solcher Störungen heraus. Dieser Zusammenhang führt zur Erörterung der psychosomatischen Behandlung in der Einzel- wie auch in der Gruppentherapie.)

Heute sind viele Gesundheitsstörungen bekannt, bei denen körperliche Symptome als Ausdruck und Folge von psychischen Problemen gesehen werden.

Was aber ist das Schicksal solcher Patienten, wie sehen die Behandlungschancen für Personen aus, die an einer psychosomatischen Störung leiden, die z. B. seelisch bedingte Funktionsstö-rungen des Herz-Kreislaufsystems, des Magen-Darm- oder des respiratorischen Apparates aufweisen? Können sie mit Aufgeschlossenheit, Verständnis und angemessener Hilfe rechnen?

Psychosomatik ist heute populär, jedenfalls, wenn wir auf die öffentliche Meinung und die Medien blicken. Fast ständig erleben wir im Alltag, dass beim Gespräch über eine erkrankte Person im Freundes oder Familienkreis zu der betreffenden Erkrankung spontane Ideen zum Besten gegeben werden, die einen geheimen Sinn in der Krankheit sehen. Solche Interpretationen beginnen häufig mit einem „…vielleicht bedeutet diese Krankheit etwas ganz anderes, nämlich…“, und bald ist eine kühne These darüber zu hören, in welcher Weise die betreffende Person hier durch ein Beziehungsproblem und durch die damit verknüpften seelischen Konflikte das Krankheitssymptom aufgebaut habe. Solche Sinn-Deutungen, solche Zusammenhänge zwischen seelischem Geschehen und körperlichen Erkrankungen werden im übrigen gerne von der Volksweisheit überliefert und von einer Generation zur nächsten weitergegeben.

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