Gibt es eine spezifische Indikation zur psychoanalytischen Gruppentherapie?

Erwin Lemche, Dresden
Erweiterte Fassung eines Referates, das auf dem Herbstworkshop der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse in Altaussee/Steiermark am 4. Oktober 1998 gehalten worden ist.

Zusammenfassung
Bislang wurde die Indikationsfrage für psychoanalytische Gruppenpsychotherapie nur unzureichend geklärt. In diesem Papier wird unter der Prämisse, daß die psychoanalytische Gruppentherapie ein eigenständiges Verfahren darstellt, die Frage untersucht, welche Patienten optimalerweise von der Gruppenmethode profitieren könnten. Es wird die These vertreten, daß der Gruppenprozeß selbst eine Reihe von therapeutischen Wirkfaktoren entfaltet, die von der psychoanalytischen Einzeltherapie nicht bereitgestellt werden können. Zunächst werden eine Reihe diagnostischer, struktureller, motivationaler und kognitiver Indikationskriterien diskutiert, bevor die Momente der Kohäsionsfähigkeit und von Aspekten sozialer Bezogenheit als Indikationshilfen in das Zentrum der Überlegeungen gerückt werden. Da nach bislang vorliegenden Ergebnissen der outcome-Forschung in der Gruppenpsychotherapie die Kohäsion als das Pendant der hilfreichen Beziehung angesehen werden muß, ist in diesem Verfahren die Frage nach der Indikationsstelllung neben dem Setting unabdingbar mit der Gruppenzusammenstellung verbunden. Es wird resumiert, daß psychoanalytische Gruppenpsychotherapie gerade für solche Patienten indiziert wäre, bei denen entwicklungsbedingte Einschränkungen der emotionalen Kompetenz verbessert werden sollen.

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