Verführung in der Großgruppe

Josef Shaked, Wien


(Vortrag beim Symposion der Sektion Gruppenpsychoanalyse im ÖAGG am 27. und 28. November 1992 in Salzburg)

Das Setting der Großgruppe stellt eine Bedrohung für die Integrität und Identität des Individuums und mobilisiert folglich eine umfassendere Regression als in der Kleingruppe. Das individuelle Denken wird reduziert und unterdrückt, die persönlichen Merkmale und Geschlechtsunterschiede werden verleugnet und verwischt und es entsteht die Tendenz zur Vereinheitlichung und Uniformierung der Gruppe. Dieser beängstigende regressive Sog wird durch Größenphantasien von Verschmelzung mit einem mächtigen und beschützenden Wesen, kompensiert, das die Merkmale der archaischen Mutter in der frühkindlichen Entwicklung trägt. Die verwirrenden Wahrnehmung und Eindrücke, die paranoiden Ängste hervorrufen, begünstigen die Entstehung von Abwehrmaßnahmen zur Bekämpfung der entstehenden Ängste. Ein Beispiel für solche Konstellationen sind die Grundannahmen Bions. Die Grundannahme der Abhängigkeit verkörpert den Wunsch nach Versorgung, die Grundannahme der Kampf-Flucht den Wunsch nach Sicherheit vor Bedrohung und die Grundannahme der Paarbildung dient zur Gewährleistung der Kontinuität der Gruppe. Zur Erreichung dieser Ziele bildet die Gruppe wunscherfüllende regressive Phantasien. Die Utopie vom sorgenlosen Paradies, wo alle Bedürfnisse befriedigt werden ist ein häufig wiederkehrendes Thema der Großgruppe. Zur Erreichung dieses verführerischen Ziels bekämpft die Gruppe im Anfangsstadium oder in Krisensituationen Differenzierungen und Abweichungen von der Uniformität, zu denen auch das Wissen um die Sexualität gehört.

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